Overall (Uterqüe), Sandals (Zara)
Overall (Uterqüe, here / Budget version here and here), Sandals (Zara, similar here)

Scroll down for the english version…

Kennt ihr das Buch „How to be parisian wherever you are“? Von French Goddess Carolin de Maigret und ihres Pariser Sex and the City-Äquivalents Audrey Diwan, Sophie Mas und Anne Berest? Das Buch ist ein wenig von der leichteren Muse geküsst – aber ich habe es trotzdem gern gelesen, weil ich Paris liebe und es mich in Gedanken so schön dahin versetzt hat. Ich (=skinny bitch par excellence) bekam sofort Lust auf Milchkaffee (mit richtiger Milch), Croissants und Butter (das Buch setzt glutenfree-Vorsätze außer Kraft, hat also magische Wirkung). Ich habe sogar überlegt, ihren allerersten ‘Wie-man-zur-Pariserin-wird’-Ratschlag zu befolgen und meinen Fön zu entsorgen. Doch wenn du luftgetrocknet aussiehst wie Rod Steward, ist dieser Rat merde.

Long story short: Als ich in der Buchhandlung das neue Buch von Anne Berest entdeckte, überkamen mich wieder all die tollen Paris-Gefühle und ich kaufte es sofort. Der Titel klang vielversprechend: „Emilienne – oder die Suche nach der perfekten Frau“ – damit hat Anne mich schon abgeholt.

Die perfekte Frau, wer ist sie? Anne stellt uns Julie vor – und ich beginne, sie mir im Geiste auszumalen: Julie ist eine Frau, die beruflich viel erreicht hat. Sie ist zudem liebevolle Mutter. Und – klar – auch aufregende Ehefrau, stets chic und stilvoll gekleidet. Ihr Nagellack splittert nicht und passt zu der Schnalle am Schuh. Sie kann in null-komma-nix eine erstklassische Mayonnaise schlagen und schmeißt Feste im Martha-Stewartschen Ausmaß. Ihr Wein ist optimal abgestimmt aufs on-point-Medium-rare-Steak, das sie auf zueinander passenden Tellern serviert. Sie ist nie gestresst, riecht auch nicht nach dem Sport nach Schweiß (treibt natürlich regelmäßig Sport) und ihre Haare liegen perfekt, ohne Ansatz und werden einfach nicht fettig.

Ja, so ist sie, die perfekte Frau – oder stellst du sie dir etwa anders vor?

Eine Frau Mitte 40, die erfolgreich ihr eigenes Unternehmen leitet – denkt man da nicht insgeheim: „Na, bereust du es nicht, keine Kinder zu haben? Das hast du nun von deinem Sex-and-the-City-Leben!“  Oder bei einer Frau, die ‚nur‘ Hausfrau und Mutter ist: „Wieso willst du dich nicht selbstverwirklichen? Kann doch nicht so erfüllend sein, den ganzen Tag Socken zu stopfen. Was für eine leere Vase!“ Oder bei einer Frau, die ihr eigenes Unternehmen leitet UND Mutter und Ehefrau ist – aber nicht schafft, regelmäßig zum Sport zu gehen: „Mmh.. die lässt sich ja ganz schön gehen.. Ob ihr Mann nicht heimlich auf die schlanke Praktikantin schielt?”

Egal, welche Verrenkungen Frauen heutzutage mit sich anstellen, es wird nie genug sein. Wem? Ihnen selbst vor allem. Denn sie selbst sind ihre härtesten Richter. Warum? Weil immer und immer wieder ‘Erfolgsbeispiele’ erzählt werden von Frauen, die all das schaffen. Die das gar übertreffen, um dann anderen Frauen Feuer unter Hintern zu machen, damit sie sich fühlen wie Grand-Prix-letzter-Platz-Versager. Und immer schön weiterstrampeln.

Hat die Emanzipation uns geholfen? Oder hat sie uns gar mehr Last auf die Schultern gelegt? In den 50ern hatte man nicht viel Wahl, man galt als ‘tolle Frau’, indem man Zuhause die Kinder versorgte und auf seinen Mann mit warmem Abendessen wartete. Einige Jahr später sah das schon anders aus: Frauen konnten sich aussuchen, ob sie arbeiten wollen – und wenn ja, als was. Sie hatten die Wahl: Ob sie Krankenschwester sein wollten, Assistentin, Ärztin oder auch Hausfrau – sie konnten sich entscheiden. Und wer entschieden hatte, Zuhause zu bleiben, wurde dafür nicht verurteilt. Diejenigen, die gerne in einer kleinen Bäckerei um die Ecke Kuchen backten und nicht um jeden Preis studieren wollten, galten nich gleich als dumm/mit kleiner Welt im Kopf.

Heute ist alles anders. Heute wird erwartet, dass du unbedingt studierst (und den höchsten wissenschaftlichen Anspruch an dich selbst hast), ‚Karriere‘ machst. Du sollst im Geschäftsleben deinen Mann stehen und parallel dazu Familie und Kinder haben. Und in den Augen deines Mannes weiblich sein, ihm essen kochen.

In Annes Geschichte schafft die perfekte Heldin Julie das alles wunderbar – bis sie irgendwann komplett ausrastet und ohne Unterhose in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen wird. Dort bringt sie’s ziemlich gut auf den Punkt: „Man verlangt von uns Frauen, perfekt zu sein. Damit wir uns zu Tode schuften! In allen, allen Lebensbereichen sollen wir Heldentaten vollbringen. Eine Armee von Frauen (…) lässt sich davon terrorisieren, nicht aus der Reihe tanzen zu dürfen: Immer jung, immer leistungsfähig, immer schön. (…) Wir meinen, wir hätten den Höhepunkt unserer Freiheit erreicht, aber in Wirklichkeit markiert das 21. Jahrhundert den Gipfel unserer Versklavung“!
O. M. G.
Ich weiss nicht, was ich sagen soll, weil ich irgendwie jedes dieser Worte sofort unterschreiben will.

Und was lehrt mich das? Etwas argumentativ verstanden zu haben ändert ja nicht unbedingt unsere Gefühle oder unser Verhalten. Und schon gar nicht, wenn wir wissen, dass wir ausgeschlossen werden, wenn wir nicht mitmachen. Nur wenn alle mit/ nicht mitmachen, würde sich die Lage etwas entspannen. Und bis dahin lesen wir Annes Buch und sagen ‘Fuck, so ist’s. Aber was kann ich tun?’ Ja, Annes Buch ist wirklich gut und formuliert viele Gedanken klar aus, die ich vorher alle auch schon in der ein oder anderen Form mit meinen Freundinnen besprochen habe. Man könnte fast anfangen, hypothetisch zu protestieren gegen all das… bis man zum Schluß des Buches kommt – und sich Anne auf der Rückseite des Covers ihres Buchs anschaut. Anne ist nämlich nicht nur superklug und eloquent und Autorin und so – sie ist auch noch rasend schön! Und sie scheint mit den Jahren nicht älter, sondern nur klüger und witziger zu werden. Anne IST die perfekte Frau – oder zumindest scheint sie exakt so jemand zu sein, der dieses erstrebenswerte Leben führt, wofür wir alle uns den Arsch aufreißen (sollen). Sie wird auf dem Buchcover übrigens auch noch als ‚eine der interessantesten Personen in der literarischen Szene Frankreichs‘ beschrieben. Na, geht noch mehr?

Anne, ich fühle mich jetzt schon wie ein Müllsack (aber nicht der coole Müllsack aus deinem Buch, der es nur durch eine einzige  Bewegung schafft, den Lauf der Dinge zu verändern).


Do you know the book „How to be parisian wherever you are“? Written by french goddess Carolin de Maigret and her Parisian Sex and the City-equivalent Audrey Diwan, Sophie Mas and Anne Berest? The book was created while kissed from the easy-hearted-muse for sure, but still, I enjoyed reading it – because I’m fascinated with Paris! And by reading it I travelled over in my mind. I (= skinny bitch par excellence) even start to crave café-o-lait (real lait), croissants and butter (this book kills all of your glutenfree-resolutions – it has magical power, actually). I even considered to listen to their first ‘How-to-be-Parisian’-advice and throw my blow dryer out of the window. But if you look like Rod Steward with air-dried hair, this advice is merde.

Long story short: when I discovered the new book from Anne Berest, all the Paris-feelings came up in me again and I bought it. The title sounded promising: “Emilienne – or searching for the perfect woman” – Anne got me immediately.

The perfect woman – who is she? Anne introduces Julie – and I start to paint her in my mind: Julie is someone, who has achieved big career goals. She is loving mother. And she is – of course – an exciting wife, always well dressed. Her nailpolish never splinters and fits to her shoe buckle. She can whisk perfect mayonnaise by hand and runs easily Martha-Stewart-esque parties, where her wine fits extraordinary well to her on-point-medium-rare-steak. Which she is serving on matching plates. She never looks stressed. She never smells like sweat after workout (the workout which she regularly does, of course). Her hair falls perfectly without her trying and never looks greasy.

Yes, that’s how the perfect woman looks and lives like. Or do you have something different in mind?

A woman in her 40ies, who is successfully running her own business company – isn’t anyone secretly thinking: “Well, you regret not having kids, huh? But that’s the price for your ‘Sex-and-the-City-Lifestyle.” Or a woman, who is ‘just’ housewife: “Why aren’t you interested in self-fulfilment? Stuffing socks all day can’t make you happy. Empty vase!” Or a woman who has a career and a family, but no time for a regular work out: “mhh.. she lets herself go! Her husband is surely starring at the skinny interns the whole day”…

No matter how hard woman are trying, it never will be good enough. Good enough for whom? In the first place, for themselves. Because they themselves are their hardest judges. Why? Because we’ve been told numerous success stories since we were kids: success stories of women, who can do it all, and even more – to increase the fire under our ass and to make us feel like the bottom-ranked-Grand-Prix-loser, if we can’t keep up. To force us to pedal stronger and harder.

So, has emancipation really helped to free us in any way? Or has it put even heavier burdens on our shoulders? In the 50ies woman had not much choice, they were considered ‘great women’, if they stayed at home with kids and waited with a fancy meal for their husbands. Few years later, it looked different: women could choose, if they want to work or not – and if yes, they could choose any profession they wanted: Being baker in a little bakery was fine, you were not forced to study to avoid the impression of being judged as ‘dumb’ or ‘aimlessly’.

Today it’s different: Everyone expects you to study (because as ‘great woman’, you need to have high educational demands for yourself), to make the big career. You have to man up in the business world, and have family and kids at the same time. And sill appear womanly for your husband, cook him meals.

The perfect woman-hero in Annes book can do it all with ease – until one fine day, where she freaks out completely, forgets to wear underpants and needs to be committed to a psychiatric institution. She finally starts to think about her life: “Women are forced to be perfect – so that we work ourselves to death! In every, EVERY aspect of life we are expected to perform heroic feats. Always young, always high-performative, always pretty – a whole army of women is living under the eternal dictate and doesn’t dare to break out of the line. (…) We’ve been told that we’ve reached the climax of freedom, but the truth is: 21st century is the climax of slavery for us”!
O. M. G.

I don’t know what to say – except that I would sign every word of this.

But what do we learn, now that the cat is out of the bag? Understanding things doesn’t necessarily change feelings or behavior. Not at all, because we know that if we don’t play the game, we’ll get excluded. Only if everyone stops playing it, the situation would evolve. Until then, we can read Anne’s book and say ‘fuck, that’s exactly how it is. But what can I do?’. Anne’s book is good, for sure. You find there exactly your thoughts written down. You could even start to, just hypothetical, protesting against it all – until you finish it and discover the back cover of the book. There you find a picture and description of Anne herself. Well, prepare your mind to be blown! Anne is not only super-smart and super-funny – she is drop dead gorgeous, too! One of these women, who don’t age, but just get smarter with the years. Anne IS this kind of perfect woman! Or at least she seems to be, and to live this desirable life for which we (should) work our asses off. Btw, the book cover says as well, that she is ‘one of the most interesting people of France’s literature scene’. Whoa, what else?

Anne, now I really feel like a trash bag (but not this cool trash bag from “The Way Things Go” which you describe in your book, the one which slightly moves and changes the way of everything).

03_uterque_overall_copyright_goddressthequeen

02_uterque_overall_copyright_goddressthequeen

04_uterque_overall_copyright_goddressthequeen